Drei Meister und drei Vizemeister, aber der Wanderpokal ist futsch!

 

In Peißenberg wurden in 19 Alters- und Gewichtsklassen die Oberbayerischen Meister 2015 ermittelt. Team-Chef Manfred Kaltenhäuser reiste mit einem mulmigen Gefühl an, denn einen Tag zuvor gingen fünf Atteste von nominierten Sportlern bei ihm ein. Da außerdem etliche seiner Leistungsträger  ohne Gegner blieben, hatte er die erfolgreiche Verteidigung des Wanderpokals von vorne herein abgeschrieben.

 

Fast hätten die zehn eingesetzten Piccoloboxer für eine Überraschung gesorgt. Das Wettrennen der 15 Clubs um die begehrte Trophäe blieb nämlich bis zum Schluss offen. Der BC Piccolo lag bis vor dem Schlusskampf mit 15 Punkten in Front. Dann setzte sich Löwenboxer Kenan Husovic gegen Philipp Schinzler durch und verbesserte die Bilanz des TSV 1860 München auf 16 Punkte, was den Gewinn des Wanderpokals bedeutete. Beide Clubs brachten es auf drei Meister und drei Vizemeister.

 

Die Meisterschaft im Junioren-Halbmittelgewicht erkämpfte sich Don Hugl. Seinen Schlagserien hatte Fernando Schiltz (SV Stadtwerke München) nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen. Hugl erzielte zwei Niederschläge und wurde noch in der ersten Runde zum Sieger durch T-KO erklärt. Auch die Auftritte von Mert Tul im Jugend-Leichtgewicht waren beeindruckend. Im Halbfinale behielt der vom früheren Brucker KO-König Sedat „Tyson“ Kececi gesteuerte Boxer die Oberhand gegen Seleman Zadran (TSV Haar). Im Endkampf wuchs Tul gegen den Deutschen Junioren-Vizemeister von 2014,  Sina Golpira-Ghassem (TSV 1860 München) über sich hinaus. Vor allem seine präzisen Konter in der Schlussrunde überzeugten die Jury nach bis dahin offenem Kampfverlauf.

 

Im Mittelgewicht B der Männer gewann Karwan Afrasiab zunächst gegen Max Winkler (Faust2Kampf) München durch T-KO in Runde zwei. In einem knallharten Fight setzte er sich dann zur Freude von Trainer Zvonko Josipovic gegen Lokalmatador Frank Hoffmann (TSV Peißenberg) klar nach Punkten durch. Beim Finale musste Afrasiab noch zum Abholen seiner Goldmedaille in den Ring. Sein Gegner Sebastian Scherle (ebenfalls BC Piccolo) hatte sich bei seinem Halbfinalsieg über Vadim Fongrad (Edelweiß Geretsried) verletzt und wurde Vizemeister.

 

Bereits zweimal hatte Veronika Welsch ihre Kontrahentin Wiebke Gerdey (Faust2Kampf München) besiegt. Diesmal drehte Gerdey den Spieß um und holte sich  mit einem knappen Punktsieg den Titel im Leichtgewicht.  Vizemeister im Mittelgewicht A der Männer wurde Kerem Atalay. Von seinem Coach Sedat Kececi klug gesteuert, verlangte er dem neuen Meister Emre Cukur (SV 1880 München) alles ab. Zuvor hatte sich Atalay vorzeitig über Daniel Filipovic (MTV 1879 München) durchgesetzt.

 

Zu den Höhepunkten von Peißenberg zählte der Halbfinalkampf im Halbweltergewicht zwischen Onur Kocer und dem amtierenden Deutschen Vizemeister Eugen Dahinten (TUS Traunreut). Der erst 19-jährige Brucker Boxer (33 Kämpfe) befolgte die Order von Coach Birkan Eksen und attackierte den in über 130 Kämpfen erfahrenen Gegner von Beginn an. Dahinten konterte jedoch geschickt und kam aufgrund seiner Cleverness zum Punktsieg. Beide Boxer wurden  vom Publikum frenetisch gefeiert.

 

Wie Onur Kocer landeten Pietro Loriga, Franz Wagner und Kevin Jovanovic auf Platz drei, waren ebenfalls ihren Gegnern nur knapp unterlegen.

 

Den Verlust des seit 2008 im Besitz des BC Piccolo befindenden Wanderpokals nahm Manfred Kaltenhäuser nicht tragisch. „Ein Wanderpokal muss auch mal wandern, sonst verdient er seinen Namen nicht“, so sein Kommentar.

 

Als Kampfrichter amtierten in Peißenberg auch Lothar Mangel und Andreas Hörl vom BC Piccolo.

Nicht dabei waren die Boxer  Ivan Steko und Gianni Dedic, die am Wochenende beim international besetzten „Black Forrest-Cup“ in Villingen-Schwenningen Turniersieger wurden. Mandy Berg steckt mitten in der Vorbereitung für die U19-Weltmeisterschaft, die vom 12.-24.Mai in Taiwan stattfindet.