33 Einzelkämpfe beim Brucker Mammutboxen

Boxer aus 20 bayerischen Clubs kletterten am Samstag beim größten Medaillenturnier Bayerns, dem Integration-Open des BC Piccolo, in der Brucker Jahnhalle zwischen die Seile.  Nach acht Stunden und 33 absolvierten Kämpfen  durfte der SV 1880 München  mit vier Erfolgen als bester Gastverein den  „Wolfgang Schwamberger Pokal“ in Empfang nehmen. Freilich, an die Ausbeute von neun Siegen des BC Piccolo kamen die Achtziger bei weitem nicht heran.

 

Erstaunlich viele Fans waren mit ihren Teams angereist und sorgten zusammen mit den Brucker Anhängern für eine tolle Stimmung. Das lag daran, weil im Mittelpunkt des Geschehens drei Ausscheidungskämpfe des BABV um die Teilnahme an der DM U18 in Köln stattfanden. Außerdem war der SV Pocking stark vertreten, denn das Bayerische Fernsehen zeichnete drei Kämpfe für eine Doku über die Migrationsarbeit des niederbayerischen Clubs auf.

 

Nicht nur aus Sicht des Ausrichters avancierte Mert Tul zum „Boxer des Tages“. Mit einer Glanzleistung setzte sich der von  Brucks Coach, dem ehemaligen KO-König Sedat „Tyson“ Kececi gesteuerte Leichtgewichtler durch und feierte seinen 14. Sieg im 16. Kampf.  Sein  Kontrahent Alexander Witt (BC Haan Augsburg) wurde sogar angezählt, hielt aber bis zum Schlussgong durch.  Das Ticket für die DM in Köln verpasste dagegen Weltergewichtler Don Hugl knapp nach Punkten. Die Willenskraft des Brucker Talents alleine reichte nicht aus, um dem ein Jahr älteren und kampferfahrenen Dominik Bartos (BRA Immenstadt) ein Bein zu stellen. Der Schwabe war eine Nuance zu clever. „Don braucht noch einige Kämpfe, dann wird auch er an der deutschen Spitze angelangt sein“ ist  Trainer Thomas Köhle überzeugt.

 

In einem der TV-Kämpfe traf Brucks Weltergewichtler Onur Kocer auf den BM-Dritten Andreas Leis (SV Pocking). Zwei Runden lang beherrschte der Schützling von Birkan Eksen die Szene, parierte    die von Andras Leis (SV Pocking) vorgetragenen Angriffe mit seinem präzisen Kopfhaken. Im letzten Durchgang steigerte sich Leis zwar, doch der von der Jury an ihn vergebene 2:1 Punktsieg war doch des Guten zu viel und führte prompt zu einem Pfeifkonzert der Fans. Eine weitere Punktniederlage, die auf Unverständnis stieß,  musste Oskar Chmielecki im Junioren-Leichtgewicht gegen Esat Akbas (Fighters Straubing) hinnehmen.

 

Dann aber gab es im Brucker Lager nur noch Siege zu feiern.  Tayfun Akbay war im U15-Federgewicht dem Landshuter Bavariaboxer Sanaollah Feyzi klar überlegen. Angriffsboxer Alihan Eksen feierte im U19-Weltergewicht gegen Mahmoud Rahmani (SV 1880 München) ein erfolgreiches Debüt.  Bei seinem ersten Auftritt im Boxring überzeugt auch Fahjim Quraeschi, der im Halbschwergewicht gegen Soner Büyük (BC Kaufbeuren) klug seine Reichweitenvorteile nutzte.    Alina Popp befolgte im einzigen Frauenkampf die Order von Coach Pavlica Steko und hielt die sich tapfer wehrende Kathrin Surovcev (Fighters Straubing) mit präzisen Kombinationen ständig unter Druck. „Alina ist ein Riesentalent und wird ihren Weg machen“, urteilte die anwesende zweifache Deutsche Meisterin Cindy Metz. 

 

Mittelgewichtler Felix Bachmaier verschanzte sich zunächst hinter einer dichten Deckung und ließ seinen Gegner Tobias Naumann (SV 1880 München) austoben. Dann folgten die Gegenattacken des Bruckers, mit denen er seinen Gegner in arge Bedrängnis brachte. Dieselbe von Coach Mario Stanislaw vorgegebene Taktik wandte Luca Vetter an, der gegen Hamza Celebi (BSC Dachau) ebenso einen ungefährdeten Punktsieg einfahren konnte. „Man weiß ja nie, ob als Anfänger deklarierte afrikanische  Boxer bereits in ihrer Heimat geboxt haben“, hatte Präsident Manfred Kaltenhäuser zunächst einige Bedenken bei deren Besetzung. Halbschwergewichtler Beacher Bukenya aus Uganda (Fighters Straubing) sah zwar gefährlich aus, konnte jedoch den Piccoloboxer Faruk Topsakal nicht gefährden. Noch schlimmer erging es dem Nigerianer Ernest Iannuwazee im Weltergewicht, der in der zweiten Runde von Brucks Pietro Loriga ausgeknockt wurde.

 

Als Pausenfüller gab Wolfgang Schwamberger etlichen Trainingstalenten Gelegenheit, bei Sparringskämpfen erstmals Ringluft zu schnuppern.  „Die werden demnächst in Wettkämpfen auftauchen“, ist Sportleiter Franz Santl überzeugt. BABV-Vizepräsident Horst Kolb, selbst als Kampfrichter im Einsatz, bescheinigte der Piccolo-Family eine perfekte Ausrichtung des Mammutturniers. „Bereits die Wochen zuvor bei der Fixierung der Paarungen waren stressig. Dank unserer vielen Mitarbeiter und Helfer wurde die Veranstaltung zu einem echten Erlebnis“, freute sich Präsident Manfred Kaltenhäuser über das gelungene Event.